Mentale Rotationen

gemeinsam mit Wolfgang Obermair

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Mentale Rotationen“ (eine Begriffsentlehnung aus der kognitiven Psychologie), die im Wiener Offspace SWINGR zu sehen ist, steht nicht nur eine Annäherungen zweier künstlerischen Positionen, sondern auch eine Neudefinition kuratorischer Stellvariablen. Ähnlich wie bei „Operation Mors“ (ein gemeinsames Projekt im State Art Museum Novosibirsk, September 2007) wird auch hier versucht, eine Verschmelzung aus künstlerischem und kuratorischem Handeln zu erreichen. Über eine sich kontinuierlich verändernde Lichtsituation wird eine ungewöhnliche Dynamik evoziert, die in einem Gegensatz zur oft angestrebten musealen Statik (z.B. konstantes Licht) zu sehen ist: An der Decke befindet sich an einem langen Ausleger eine Halogenlampe, die in ständiger Rotation begriffen ist und in einem ca. 1 minütigem Rhythmus den gesamten Raum partiell ausleuchtet. Das Setup ist als experimentelle Situation zu verstehen, die der Architektur eine Leserichtung gibt und Rezeptionsgewohnheiten destabilisiert. Dem Raum selbst wird durch diesen Eingriff eine Lichtdynamik verabreicht, die man sonst nur im Außenraum im Auf und Ab der Sonne erlebt: wandernde Schatten, leichte Delokalisierungsphänomene des Betrachters… Querbezüge zwischen den beiden künstlerischen Positionen werden abgefahren und in ihrer Rezeption zeitlich gestaffelt. Ekaterina Shapiro-Obermairs Zeichnungen werden in diesem Licht ungleich physischer. Das Papier, das durch eine Tönung mit schwarzem Tee bereits einem künstlichen Alterungsprozeß unterworfen ist erhält durch die bewegte Beleuchtung eine fast objekthafte Plastizität.

Nach 15 Minuten wird über rechnergesteuerte Relais eine zweite Lichtsituation geschaffen: Licht und Rotationsmotor werden abgestellt, ein Videobeamer und ein DVD-Player in Betrieb gesetzt: Die Videoinstallation mit dem Titel „Mask and Spot on Fountain“ von Wolfgang Obermair erinnert in ihrer räumlichen Inszenierung an das klassische Präsentationskonzept des „Black Cubes“. Im Groysschen Sinne ist diese das ideale Setup für eine endlose Videoprojektion (vgl. Boris Groys „Zur Ästhetik der Videoinstallation“ in: Stan Douglas. Katalog der Ausstellung in der Kunsthalle Basel 2001). Im Sinne von Wolfgang Obermair und Ekaterina Shapiro hält diese Situation aber nur 5 Minuten an, bevor erneut das Licht zur Rotation ansetzt.

24. April – 01. Mai 2008
SWINGR, Wien
www.swingr.blogs.sonance.net