Russische Avantgarde
Wolfgang Pichler

Erstaunlich, wie sehr die Arbeiten der erst 1980 geborenen Künstlerin an die klassische Avantgarde der 1920er und 1930er Jahre erinnert, ohne veraltet zu wirken. Besonders die Collagen wirken abgesehen von der fehlenden Vergilbung wie Originale der Zeit: sie zeigen jeweils ein kleines an Man Ray erinnerndes Schwarz-Weiß-Photo, das gekonnt auf einem weißen Blatt Papier positioniert ist. Die stets exzentrisch aber sehr fein ausgewählte Positionierung der Photos und das Einbinden der selben in die gestaltete Fläche mittels eines einzigen feinen Striches lässt diese Arbeiten wie konstruktivistische Kompositionsstudien erscheinen, die auch in der Qualität nicht hinter einem Rodschenko oder Malewitsch nachstehen. 

Klare, reduzierte, geometrische Formen bestimmen auch die Assemblagen, welche am Boden frei im Raum stehend präsentiert werden. Die treppen- und kistenförmigen Skulpturen aus bemalten Sperrholz- und Faserplatten stehen teils fast schwebend auf vier umgedrehten Trinkgläsern, teils auch am Boden. Besonders auffällig sind die in Schwarz-Weiß gehaltenen Flächen mit geometrischen Mustern. In ihrer Farbigkeit und Oberflächengestaltung verweisen die Objekte allerdings nicht nur auf die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, sondern auch auf die Op-Art der 1960er und 1970er Jahre. Immer jedoch wirken diese Arbeiten seltsam konstruiert und in ihrer Bild- und Formensprache gebrochen. So entsteht ein Entfremdungseffekt der Shapiro-Obermairs Arbeiten klar in der postmodernen Gegenwart verankert.

Wie im Begleittext zur Ausstellung erwähnt setzt sich die Künstlerin im Speziellen mit russischer Kunst und Kultur auseinander. An der aktuellen Schau überzeugt daher besonders, dass man sich überaus häufig an die Russische Avantgarde und ihre Formensprache erinnert fühlt, also den von Shapiro-Obermair intendierten Russland-Bezug an den Arbeiten selbst ablesen kann, ohne vorher auch nur einen Satz über diese Ausstellung gelesen zu haben.